🥇 "Save Eve" von Sylvia Hass

Veröffentlicht am 28. September 2023 um 09:02

... Liebe hat sehr unterschiedliche Gesichter

Rezension in Text 📝 [↓] & Ton 🔊 [ ↳ ] von "Save Eve" von Silvia Hass

👀 >>>MEINE LESEEMPFEHLUNG AUF 1 BLICK

Ideale Lektüre für alle, die die Ambivalenz von Beziehungen interessiert: Was passiert, wenn ein Partner seine Macht missbraucht - was, wenn das nicht geschieht? Und was geschieht mit jenen, die solchen Formen von Partnerschaften ausgesetzt sind: mal schwarz, mal weiß? Roman über die Entwicklung einer Persönlichkeit sowie einer Liebesbeziehung angesichts schwieriger Randbedingungen und mit dem Potenzial, für das Thema sexuelle Gewalt in Partnerschaften zu sensibilisieren.

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📝>>> INHALT

Der Klappentext rechts erzählt den Inhalt - aus Sicht der Verfasserin. Ich würde ihn so zusammenfassen:

Evemarie war mit Kai zusammen. Der hat ihre emotionale Abhängigkeit von ihm aufs Übelste ausgenutzt - bis hin zur Vergewaltigung, wobei er es mit dem für Psychopathen typischen Geschick stets verstanden hat, ihre Sicht der Beziehung bzw. auf seine Übergriffe so zu manipulieren, dass sie nicht einmal in der Lage war, Vergewaltigungen als solche zu erkennen oder auch nur zu bezeichnen. Trotzdem hat Eve es geschafft, die Beziehung zu beenden.

Rein zufällig lernt Eve den Deutsch-Amerikaner Jay kennen, der in ihrem Kerzenladen einkauft. Aus anfänglichem gegenseitigem Interesse wird bald mehr: Jay avanciert zu Eves Beschützer, als diese massiv gestalkt wird. Das Stalking gipfelt u. a. darin, dass Eve ein Video zugespielt bekommt, welches sie beim Sex mit Jay zeigt. Der Stalker, der sich in seiner pathologischen Sicht der Dinge als Liebhaber und rechtmäßiger Partner von Eve betrachtet, schreckt nicht einmal davor zurück, die Bremsschläuche von Jays Motorrad zu kappen, um den Rivalen aus dem Weg zu räumen.

Schwierige Bedingungen, um tatsächlich eine tragfähige Beziehung zu entwickeln. Alte Wunden sind noch nicht verheilt; neue Schicksalsschläge fallen. Noch brisanter gestaltet sich die Lage, als Jay, der eine Tanzschule leitet, von seiner ehemaligen Partnerin erfährt, dass sie schwanger ist – von ihm.

♦️>>>Form 

Personaler Erzähler, der aus den Perspektiven von Eve, Kai und Jay das Geschehen darstellt.  Gelegentliche Rückblenden ergänzen das Wissen des Lesers, das sich aus der im Präsens dargestellten Handlung ergibt, und runden so das Gesamtbild ab, machen Ansichten und Aktionen der Protagonisten plausibler.

Was mir gut gefallen hat: Jay verfällt in seinen Äußerungen immer wieder in die Sprache seines Vaters, also in ein American English. Ich persönlich mag das Englische, das im Gegensatz zum Deutschen sehr prägnant und markant Dinge mit nur wenigen Worten auf den Punkt bringen kann, wo es in meiner Muttersprache deutlich mehr Text braucht. Der Sprachmix ist erfrischend und wird gekonnt serviert.

💬 >>> DIE SPRACHE INSGESAMT

Kommt bei mir gradlinig an. Schnörkellos. Beinahe schlicht.

Dieser Stil wird konsequent im gesamten Werk beibehalten. Da sich mehrere Buchpassagen mit den sexuell übergriffigen Handlungen von Kai an Evemarie in aller Deutlichkeit beschäftigen, passt das bzw. ist die Sachlichkeit ggf. durchaus notwendig: So wird eine gewisse Distanz erzeugt. Die erleichtert denjenigen die Lektüre, die sich mit solch schwieriger Kost schwertun bzw. tatsächlich mitleiden - und serviert nicht jenen, die sich an sexuellen Gewaltfantasien aufgeilen möchten, womöglich noch einen saftigen Appetithappen, um ihre Neigungen zu bedienen. Indem die Sprache auf mich nüchtern wirkt, versäumt sie es jedoch oft, mich emotional mitzunehmen. Ein Dilemma, das in meinen Augen (für mein persönliches Empfinden) kaum zu lösen ist angesichts des Plots.

Das Verfassen eines Buches wie "Save Eve" (und damit auch dessen Lektüre) bedeutet einen Ritt auf der Rasierklinge: Es kann unterschiedlich wahrgenommen werden - etwa so, wie ein Antikriegsfilm durchaus von entsprechend veranlagten Personen als Kriegspropaganda betrachtet werden kann. Im Moment der Veröffentlichung macht der Konsument das aus einem Werk, was ihm passt & gefällt - nicht, was dem Urheber am Herzen liegt bzw. was ein Autor vermitteln will. [Deshalb gehören zum Publizieren Mut ebenso wie Sorgfalt und Verantwortungsgefühl.]

 >>> WIE AUTOBIOGRAFISCH IST DAS WERK?

Am Schluss des Buches befindet sich "Ein Brief an meinen Antagonisten", der ganz klar aussagt, dass dieses Werk auf eigenen Erfahrungen beruht. Wo genau und in welchem Maße? Das bleibt der Spekulation eines jeden Lesers überlassen.

Handelt es sich hier um eine Abrechnung, die so konsequent zu Ende gedacht ist, dass selbst das Autorinnenpseudonym mit dem Nachnamen "Hass" zum Konzept gehört? Möglich.

Da scheint mir eine Menge Wut im o. g. "Brief" zu explodieren. Eine Wut, die einerseits verständlich ist, wenn „es einem Opfer reicht“, die mich andererseits unangenehm berührt nach der Lektüre zurücklässt: Ich werde an dieser Stelle aus der Virtualität in die Realität gezerrt - und das ist ein Prozess, mit dem ich so aufgrund des Klappentextes beispielsweise nicht gerechnet habe. Mein ganz persönliches Bauchgefühl sagt angesichts dieser Erkenntnis deutlich: Dabei fühle ich mich nicht wohl, denn mit diesem aufgestauten Zorn will ich nichts zu tun haben; der wirkt auf mich nicht wie ein reinigender Ausbruch, sondern eher wie ein vor sich hinbrütender Schwelbrand. Gefährlich und jederzeit bereit, sich neu entfachen zu lassen, wenn die Glut Nahrung erhält.

Hätte ich die Triggerwarnung ernster nehmen sollen? Möglicherweise, wobei die keinen Hinweis darauf gibt, dass es sich hier nicht um ein rein fiktives Werk handelt. 

Dieser Roman ist also nicht bloß die Story einer toxischen Beziehung, sondern beschreibt reale Elemente daraus. Klar, jeder Autor verfasst aus seinem eigenen Erfahrungsschatz heraus seine Werke; manchmal hat diese Erkenntnis kaum Gewicht, aber für mich persönlich scheint es so, als läge hier der Fall deutlich anders.

Übrigens: Am Ende des Buches deutet sich in einer letzten Stellungnahme von Kai an, dass er seine „Beziehung“ zu Eve noch lange nicht am Ende sieht – ich denke, hier könnte es sich um einen Hinweis auf eine Fortsetzung handeln.

🧙‍♀️ >>>ESOTERIK? EHER NIX FÜR MICH ...

"Save Eve" enthält esoterische Elemente: Visionen und Vorahnungen bilden wichtige Bestandteile der Handlung. Wer das mag, ist im Buch bestens aufgehoben.

Jetzt folgt eine rein persönliche Feststellung: Fantasyliteratur gefällt mir, aber übernatürliche Phänomene im Alltag sind nicht mein Ding. Ich bin halt Naturwissenschaftlerin und schätze es, wenn Auflösungen in Romanen, die nicht als Fantasy gekennzeichnet sind, ohne übernatürliche oder paranormale Phänomene auskommen.

📙 >>> ZUM COVER

Stimmig. Passt in seinen warmen Farben gut zum Inhalt, soweit die Lovestory zwischen Eve und Jay betroffen ist. Der bedrohliche Schatten mit dem Messer im Hintergrund stellt gelungen die Verbindung zum Plot-Element mit dem gefährlichen und gewissenlosen Stalker dar.

📑 >>> FAZIT

Es ist gar nicht so einfach, dieses Werk zu besprechen, ohne zu spoilern. 😃

Handwerklich eine saubere Arbeit - abgesehen vom Vater-Sohn-Konflikt zwischen Jay und seinem Erzeuger, den ich als regelrecht überflüssig empfand: Warum und mit welchem Ziel der eingearbeitet wurde, hat sich mir einfach nicht erschlossen. Meinem Empfinden nach, fehlte der Story nichts, wenn die beiden konfliktfrei zueinander stünden.

Thematisch werden in "Save Eve" mit der sexuellen Gewalt und schwierigen Machtverhältnissen in Beziehungen Bereiche angesprochen, die ebenso gesamtgesellschaftlich wie individuell von großer Bedeutung sind. Leider. Mag sein, das Werk gibt Personen, die in toxischen Beziehungen stecken, Kraft, Orientierung und Hilfe. Das wäre schön.

Mich persönlich hat der Roman nicht voll angesprochen. (Kurz erklärt, warum: Toxische Beziehungen beende ich inzwischen, sobald ich sie als solche erkenne; die haben in meinem eigenen Leben keine Bedeutung. Das war natürlich nicht immer so – aber ich bin 61 und denke, ich habe mein Lehrgeld auf dem Weg zu diesem „Entsorgungsverfahren“ bezahlt. In Bezug auf dieses Buch bedeutet mein eigener Lebensweg jedoch: Es kann mir im Hinblick auf den Umgang mit Menschen, die mir nicht guttun, nichts sagen, weshalb es mich auch diesbezüglich nur auf einer theoretischen Ebene berührt, aber nicht emotional mitnimmt.)

Ein weiteres persönliches Statement, das mitten aus meinem Bauch kommt: Ich bin mir nicht sicher, ob die Verarbeitung der eigenen Erlebnisse in den o. g. sensiblen Bereichen in einem belletristischen Werk gut aufgehoben sind. Mein Weg verliefe anders. Das führt ebenfalls dazu, dass ich eine gewisse Distanz zu diesem Buch im Verlauf meiner Lektüre aufgebaut habe.

Daher gebe ich – aus mehreren ganz persönlichen Beweggründen, die andere Leser weder verstehen noch teilen müssen – diesem Werk 4 Sterne:⭐⭐⭐⭐


🔊 Und hier die Buchkritik zu "SAVE EVE" von Silvia Hass zum Nachhören:

Da meine Homepage nur kurze Audiodateien wiedergeben kann, umfasst meine Buchbesprechung 2 Teile:

Teil 1 der Rezension:


Klappentext:

KLappentext von "Save Eve" von Silvia Hass

Link zur Seite der Autorin

 


Herzlichen Dank an Silvia Hass, dass ich in ihrem Bloggerteam dabei sein darf / durfte und dass sie mir ihren Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!



Bei dieser Rezension handelt es sich um eine Form unbezahlter Werbung.

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